LEM 2020 - Ein erster Blick

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Am Jahresanfang stand wie immer die niedersächsische Landeseinzelmeisterschaft an. Ein Event dieser Größe lockte - wie in der Turniervorschau bereits erwähnt - über ein Dutzend unserer Vereinsmitglieder an. Damals schrieb ich noch von 16 in den Turnieren plus ein weiterer im Schnellschach. Die Zahl erwies sich in der Realität als überholt (Abgänge im C- und B-Turnier), aber dank unerwarteter Verstärkung im Schnellschach erreichten wir insgesamt doch 16 Teilnehmer.
Hier kann man kaum so leicht eine umfassende Zusammenfassung schreiben, weswegen es auch Eindrücke aus verschiedenen Blickwinkeln geben wird. Den Anfang macht hier die allgemeine Übersicht.

Schnellschach:

An Neujahr dem klassichen Schach vorgelagert hatten wir überraschend noch neben Frank noch Anthony und dessen Bruder Niko gestellt. Mit den beiden IMs Ilja und Dennes, sowie dem IM-Anwärter Anthony (nur noch eine Norm fehlt!) war schnell klar, dass in der Spitze der Lister Turm dominieren würde. Im Endergebnis gesellte sich noch Tobias zu einem beeindruckenden Viererschlag an der Spitze hinzu: Ilja schob sich nach zweiter Feinwertung und einem Schlussrundensieg an den friedlich remisierenden Dennes und Anthony vorbei, Tobias führte das Verfolgerfeld an. Damit stand der erste Landesmeister des neuen Jahres fest, Glückwunsch an Ilja!
Erwähnenswert ist auch das starke Abschneiden von Nico, der nach etwa 14 Jahren Schachabstinenz sich mit gleich drei Punkten stark zurückmeldete! Die Jugend bewies auch anderweitig schon, dass sie hoch hinaus will: Robert Elsner von den Schachdrachen Isernhagen mit Sieg gegen Tobias und Remis gegen den späteren Landesmeister spielte ein starkes Turnier. In den Top 20 fanden sich neben vorigem mit Torben Knuedel, Christian Hartogh, Soeren Evering, Sreyas Payyappat, Sophia Brunner und Thore Meiwes eine ganze Reihe an jüngeren Spielern.
Persönlich hatte ich nur die letzten beiden Runden mitbekommen und hängen geblieben ist leider nichts mehr. Die Ergebnisse können auf der Turnierseite des NSV eingesehen werden: http://nsv-online.de/turniere/lem2020/?ak=Schnellschach.

Hauptturniere:

Hier spielten etwa 270 Schachbegeisterte 7 Runden über 4 Tage verteilt. Für den groben Überblick verweise ich mal wieder auf die Turnierseite (http://nsv-online.de/turniere/lem2020/), ein Abschlussbericht findet sich auch auf der NSV-Seite: http://nsv-online.de/2020/01/abschlussbericht-lem/.
Bereits vorneweg: im Meisterturnier gelangten zwei unserer Spieler aufs Podium, darunter erfreulicherweise auch der alleinige Wiederholungssieger und Landesmeister Tobias Vöge! Über das B-Turnier wird einer der Teilnehmer (Andreas, vielen Dank schon mal an dieser Stelle!) seine eigene Sicht darlegen, der Sieger Tobias hat ebenfalls schon einen Bericht angekündigt. Ich will diese Gelegenheit nutzen, um mein Turnier Revue passieren zu lassen.

Angereist war ich lieber am späten Nachmittag des 1. Januars, Silvester hätte mir doch die Freude am Schnellschach erheblich verdorben, als Zuschauer war es dann deutlich entspannter. Im Hotel zu wohnen hatte zweifellos erhebliche Vorteile, wie zum Beispiel den kurzen Weg zum Spielsaal. Recht gut erholt ging es dann am nächsten Morgen zur Anmeldung und zur ersten Runde. Noch ahnte ich nichts Böses, aber dann nahm das Unglück seinen Lauf. Wer die Ergebnisse studiert hat, könnte sich bereits freuen oder wundern ob meines ästethisch ansprechenden Resultats, welches doch mindestens ungewöhnlich ist. Ein einziger Sieg eingekesselt von Remisen war meine traurige Abschlussbilanz mit der ich in der Gesamtrechnung trotzdem noch auf dem 8. Platz landete, vermutlich den herausragenden Leistungen der Spitzengruppe zu verdanken. Lange habe ich gerätselt, welches Meerestier ich wohl wäre, für dieses Turnier weiß ich es: der Walhai. Keine Gefahr für meine Gegner (gut, mein Viertrundengegner wird es eher anders sehen), aber dabei hatte ich anfangs (am ersten Tag) durchaus gute Chancen:

Böhme - Hampel:
 

Chance 1
Hier befanden wir uns beide bereits in der Zeitnotphase. Schwarz am Zug kann entscheidenden Vorteil erlangen. Wie?


Hampel - Stotyn:
 

Chance 2
Weiß steht gut, ohne Frage. Doch nur mit einem Zug kann man auch wirklich den Sack zu machen. Um welchen handelt es sich?


Gefunden habe ich keinen von beiden, stattdessen verlor ich fast noch die erste Partie (mein Überleben verdankte ich nur dem Chancenwucher meines Gegners) und die zweite Partie ließ ich dann zu schnell verflachen. Dabei hatte gerade diese meinen Lieblingszug des Turniers beinhaltet:
 

Weiß hat einen Hammer
Hier hat Weiß einen sehr schönen Zug. Welchen?


Nach diesem unerfreulichen Turnierstart schaffte ich es dann nach perfekter Vorbereitung die durchaus aussichtsreiche Stellung sehr schnell zu einem forcierten Remis zu verschandeln. Wenigstens am Nachmittag gelang mir dann eine gute Partie in welcher ich meine Chancen nutzte, die mir allerdings mein Gegner auch in mehr als ausreichender Menge anbot. Dann kam der dritte Tag...

Ermel - Hampel:
 

Ungenauigkeiten...
Schwarz hat eine vollkommen normale Stellung, doch nicht mehr nach meinem naiven Zug 13...Le6?! wonach Weiß alle seine Ziele erreichen kann (14.f4).


Anstatt hier auf Gewinn spielen zu können, sah ich mich bald einer etwas schlechteren Stellung gegenüber, in der mein Gegner mir dann auch noch wenig dankenswert Remis bot. Einen guten Weg um sinnvoll weiterzuspielen sah ich nicht, womit jegliche Hoffnungen auf einen Endspurt dahin waren.
Als Ergebnis bekam ich dann auch noch Torben, der mich in der Eröffnung überraschte. Mein Versuch, dass Läuferpaar zu gewinnen war nicht von Erfolg gekrönt und so hatte ich keine sonderlich große Hoffnung übrig. Torben ist ein schlauer Spieler und erwischte mich vor einer folgenschweren Entscheidung (kurze oder lange Rochade) mit seinem Remisangebot genau richtig. Ich kam ins Grübeln und fand bald an jeder Ecke ein Haar in der Suppe, wonach mit deutlich geschwundenem Zeitpolster das Remisangebot irgendwann zu verlockend wurde.
Ich erkannte mich kaum wieder, doch zur Krönung bekam ich dann zum Abschluss noch Schwarz gegen unser Brett 1 Dennes. In der Partie setzte ich auch direkt die Eröffnung in den Sand. Chancen sind aber oft rar gesät und nachdem Dennes seine nicht nutzte, fing er bereits (nicht ganz zu Unrecht) an sich Sorgen zu machen. Ich hingegen wähnte mich noch im Verteidigungsmodus und hatte noch gar nicht richtig begriffen, dass doch auch mehr drin sein könnte. Von daher nahm ich das dritte frühe Remisangebot ohne großes Zögern an, was mich im Nachhinein doch nicht wenig schmerzt. Obgleich objektiv nicht unbedingt unberechtigt, hätte ich mir mit Weiterspielen auch keinen Schaden zugefügt, in den letzten beiden Partien jedenfalls sicherlich nicht.
Insegesamt kann ich einen leichten Ratingverlust, das Gefühl des Ungeschlagenseins und eine Lektion mitnehmen: frühe Remisen machen mich nicht glücklich. Ein Vorteil hatte es aber doch: ich kam schnell zum Baguetteladen, der den kulinarischen Höhepunkt Verdens darstellt.
Übrigens: wer die Livebretter sehen will, kann dies tatsächlich immer noch bei chess24 tun: https://chess24.com/de/watch/live-tournaments/niedersaechsiche-meisterschaft-2020.

[Event "LEM 2020 Meisterturnier"] [Site "?"] [Date "2020.01.02"] [Round "1.3"] [White "Boehme, Arne"] [Black "Hampel, Felix"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "B00"] [WhiteElo "2158"] [BlackElo "2290"] [Annotator "Hampel,Felix"] [SetUp "1"] [FEN "5rk1/1pp3bn/3p2q1/p2n4/P3N3/2P1B1P1/1P1NQ1K1/7R b - - 0 34"] [PlyCount "22"] [EventDate "2020.??.??"] [SourceVersionDate "2020.01.02"] {Etwas Vorgeschichte zur entscheidenden Stellung, hier ist Schwarz schon eindeutig am Drücker} 34... Re8 $1 35. Qc4 c6 36. Bf4 $2 Be5 $2 {viel zu harmlos} (36... Re6 $1 {löst die Fesselung des Sd5 auf, wonach Weiß zu keinerlei Gegenspiel mehr kommt} 37. Nf2 (37. Rh4 Nxf4+ 38. Rxf4 d5 $19) 37... Be5 $19 {[%csl Rg3][%cal Gg6g2] der weiße König und der Läufer stehen einfach zu ungünstig}) 37. Rh6 {mit Remisangebot, aber es war ja noch Runde 1. ..} Qg7 (37... Qf7 38. Nxd6 (38. Ng5 Bxf4 39. Nxf7 Ne3+ 40. Kf3 Nxc4 41. Nxc4 Bxh6 42. Nxh6+ Kf8 $17 {wäre nicht so gut}) 38... Bxf4 39. Nxf7 Ne3+ 40. Kf2 Nxc4 41. Nxc4 Bxh6 42. Nxh6+ Kf8 43. Nxa5 {bringt auch nur Ausgleich, aber mit weniger Minuten als Zügen verbleibend sind alle Varianten hier zu kompliziert} ) 38. Rh4 Bxf4 39. Rxf4 Kh8 40. Rf3 Qe5 $6 {im 40. Zug begehe ich eine Ungenauigkeit, die mich im Anschluss noch lange verfolgen wird} (40... Ng5) 41. Qd4 $1 {jetzt werden meine Bauern schwach} Qxd4 42. cxd4 Re6 $6 {sowies keine gute Idee, erschwerend kommt hinzu, dass ich übersehen hatte, dass nach} ( 42... b6 43. Nxd6 Re2+ 44. Rf2 Ne3+ 45. Kf3 Rxf2+ 46. Kxf2 Nd1+ 47. Ke2 Nxb2 { war der richtige Weg}) 43. Rf7 {Weiß eine unangenehme Drohung hat} Nhf6 (43... b6 $2 44. Rxh7+ Kxh7 45. Ng5+) 44. Nxf6 Nxf6 45. Nc4 {und ein Bauer ging verloren} 1/2-1/2 [Event "LEM 2020 Meisterturnier"] [Site "?"] [Date "2020.01.02"] [Round "2.7"] [White "Hampel, Felix"] [Black "Stotyn, Fabian"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "A10"] [WhiteElo "2290"] [BlackElo "2201"] [Annotator "Hampel,Felix"] [SetUp "1"] [FEN "r2r2k1/pnq1bppp/1p2p3/2p1P3/1P2PP2/P1NbB1P1/5QBP/2RR2K1 b - - 0 21"] [PlyCount "24"] [EventDate "2020.??.??"] [SourceVersionDate "2020.01.02"] {Der Verlauf der Partie war noch etwas von meiner überlangen Morgenspartie geprägt, so ganz glücklich war ich anfangs nicht, doch inzwischen hat Weiß sich wieder gut stabilisiert und Schwarz muss aufpassen} 21... Bc4 $2 { verhindert eben nicht den folgenden Zug} (21... Qb8 {so angenehm ist es bereits nicht mehr}) 22. Nd5 $1 {nutzt die schlechte schwarze Figurenstellung aus} exd5 23. exd5 cxb4 (23... Bb3 24. Rd3 c4 25. Rxb3 {wäre ein deutlicher Beweis für die Fehlstellung der Dame in der c-Linie}) 24. d6 Nxd6 $2 {erlaubt einen sofortigen K.O.-Schlag} (24... Bxd6 {will die Maschine sehen, aber...} 25. exd6 Nxd6 26. Bxa8 Rxa8 27. Qd2 Ne8 28. axb4 {...sieht nach wenig praktischen Chancen aus}) 25. exd6 Bxd6 26. Bxa8 Rxa8 27. Qd2 $2 (27. a4 $1 { erscheint einem hinterher logisch: dem gefesselte Läufer wird die Stabilisierung mittels ...b5 verwehrt, wonach er verloren geht} b3 {der einzige Versuch} 28. Rd4 b2 29. Qxb2 Qe7 30. Qd2 Bb4 31. Rdxc4 Bxd2 32. Rc8+ { und Weiß gewinnt zuerst die Dame zurück, danach den Läufer auf d2 und steht glatt auf Sieg}) 27... Bf8 28. axb4 b5 29. Ra1 h5 30. Qd7 {Weiß kann sich anders höchstens auf den weißen Feldern in Schwierigkeiten bringen} Qxd7 31. Rxd7 Bxb4 32. Rdxa7 Rxa7 33. Rxa7 {und meine Gewinnversuche waren wenig überzeugend, obwohl es vielleicht sogar recht einfach gewonnen gewesen wäre} 1/2-1/2
©️ für den PGN Viewer Chessbase GmbH

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