Training mit Karsten Müller

Am Samstag fand das Training mit GM Dr. Karsten Müller statt, welches Lukas den Spielern der ersten Mannschaft organisiert hatte.
Um 11 Uhr war Beginn, ausgestattet waren wir mit einem Beamer, Laptop, ChessBase 15 und Deep Fritz 13 (für uns reicht auch der gute Fritz), am Wichtigsten war aber natürlich der Trainer. Als angesehener Experte für Endspiele und langjähriger Trainer dürfte er vielen bereits ein Begriff sein.

Begonnen wurde das Training mit einem aktuellen Beispiel aus der Bundesliga, eine Verbindung von Endspiel und Taktik. Da war dann auch das allgemeine Prinzip klar: in der Runde kann sich jeder äußern, Vorschläge werden dann potentiell noch diskutiert.
Im Anschluss arbeitete Karsten daran, sich überflüssig zu machen (was natürlich nicht stimmt), indem er mit uns über Trainingsmethoden sprach. Anhand einem Buch des Schweden Axel Smith (mit dem er nicht unbedingt immer konform ging) wies er auf die Do's und Dont's hin: weniger Engines nutzen, seine Partien analysieren und sich dabei nicht von Niederlagen abschrecken lassen (sind doch gerade die meist besonders lehrreich), moderne Mittel (also Datenbanken) für Eröffnung und Endspiel nutzen, sowie besonders wichtig: Aufgaben lösen, denn Theorie ist zwar schön und gut, über Praxis geht dann allerdings doch nichts.
Das war dann auch der Punkt, wo es für uns Ernst wurde: Auszüge von Weltmeisterpartien wurden ausgeteilt und dann ging es auf Zeit mit dem Stift ans Lösen. Im Nachhinein wurde dann abgeglichen, eventuell alternative Lösungen angeschaut, denn jeder Punkt könnte ja letztlich im internen Wettbewerb wichtig werden. Nach zwei Weltmeistern und 24 Stellungen war es im Prinzip gelaufen, Frank führte bereits mit großem Vorsprung.
 

Beispielaufgabe
Hier mal eine Beispielaufgabe. Schwarz zieht und gewinnt. Schwierigkeitsgrad etwas erhöht, denn wie bei uns auf dem Papier blickt der Löser von der falschen Seite auf die Stellung. Bonuspunkt, wenn der Weltmeister richtig zugeordnet werden kann.


Nach soviel Denken gab es erstmal eine Mittagspause, wir hatten in der Nähe reserviert. Das gab die Möglichkeit zu entspanntem Plaudern und so konnte man auch mal das eine oder andere von Karsten aus seinem Trainerleben hören. Vielleicht im schachlichen Sinne nicht hilfreich, aber auf jeden Fall sehr interessant und faszinierend.

Dann ging es wieder weiter, Ende war erst (oder schon?) um 17 Uhr. Jetzt ging es an weniger Konkretes, sondern um allgemeine Punkte: der richtige Abtausch, Läuferpaar, gute/schlechte Figuren, alles garniert mit Beispielen, dem Besprechen von Regeln (Mythos oder Wahrheit?) und praktischen Gesichtspunkten. Man konnte Karsten richtig aufblühen sehen, wenn es an die geliebten Endspiele ging. Leider war die Zeit begrenzt und so kam zu bald der Moment, wo es Zeit für den letzten Test kam. Hier kam Berechnung zusammen mit dem vorher besprochenen Thema Abtausch. Noch einmal rauchten die Köpfe, dann stand Frank als Sieger fest.
 

Startstellung zum Thema Läuferpaar
Das Zuordnen zu einem Weltmeister sei gespart: die Paarung lautete Englisch-Steinitz. Hier gibt es tatsächlich eher die Frage was Schwarz nicht machen sollte. Stattdessen geht es um allgemeinere Erwägungen. Was sollte Schwarz also anstreben?


Abschließend kann man auf jeden Fall festhalten, dass es den Teilnehmern Spaß gemacht hat, es aber vor allem aus schachlicher Sicht sehr gut war von einem Trainer diesen Formates erstelltes Programm abgestimmt auf die Spielstärke der Teilnehmer durchzuarbeiten. Besonders schön war dabei die Ankündigung, dass Karsten wieder kommen wird! Uns hatte es jedenfalls bereits soweit motiviert, dass Planungen für Treffen zum Spielen von Trainingspartien in Gang gesetzt wurden.

 

Zu den beiden Diagrammen:

  1. Schwarz zog hier 1...Dd4+ (1...De3+ gewinnt ebenfalls, dafür muss aber nach 2.Tf2 auch noch Te7 als einziger Gewinnzug gefunden werden) 2.Kh1 Df2!! und in der Partie Reshevsky-Fischer gab Weiß auf, denn nach 3.Db5 folgt Te1
  2. Nicht spielen sollte Schwarz hier 1...Lxb2, denn nach 2.Tab1 fällt der Bauer auf b7 und Weiß aktiviert nicht nur seinen Turm, sondern er erhält auch Springerfelder auf der c-Linie. In diesem Sinne ist auch klar, was Schwaz anstreben sollte: dem weißen Springer mit den Bauern die Vorpostenfelder verwehren und den oppositionslosen weißfeldrigen Läufer ausnutzen. Auf jeden Fall eine gute Stellung um eine Trainingspartie zu spielen!